Manchmal ist der reifere Schritt, einen Wettkampf nicht zu starten, für den man sich angemeldet hat. Bei der Challenge Roth 2026 ist genau das passiert – nur dass am Ende doch eine Startnummer auf meinem Rad klebt. Wie das zusammenpasst, ist eine Geschichte aus drei Akten: ehrliche Bestandsaufnahme, ein Facebook-Post zur richtigen Zeit, und ein einziges Telefonat.

Die ehrliche Bestandsaufnahme: Solo-Roth war nicht drin

Wer Roth solo angehen will, weiß: 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,2 km Lauf — das verzeiht keine halbe Vorbereitung. Genau die hatte ich. Mein Radtraining ist seit dem Winter spürbar zu kurz gekommen, Schwimmen hat im Plan praktisch nicht stattgefunden, und die Trainingseinheiten, die ich gemacht habe, waren Laufen. Das ist nicht der Mix, mit dem man bei einer Langdistanz an der Startlinie steht und sagt: „Ich bin bereit.“

Dazu kommt das, was im Hintergrund läuft und einen Triathlon-Wettkampf-Block beim besten Willen nicht in den Vordergrund rückt: Job, anstehende Entscheidungen über die berufliche Zukunft, Themen rund um einen möglichen Umzug. Wer ehrlich mit sich ist, weiß: Wenn der Kopf da nicht 100% bei der Vorbereitung ist, dann ist die Anmeldung nur noch eine Behauptung — kein Plan.

Also stand der Entschluss: Roth 2026 als Solo-Starter — nein. Lieber eine ehrliche Vernunftsentscheidung als ein halbgares Rennen mit angemerkter Form.

Der Facebook-Moment: Ein Geschwisterpaar aus der Kieler Region

Wenige Tage nach der inneren Absage scrolle ich durch Facebook — und dort der Post: Ein Geschwisterpaar aus der Kieler Region will Roth als Staffel angehen, hat Schwimmer und Läufer dabei, sucht noch einen Radfahrer. 180 km, ein Tag, eine Aufgabe. Lesen, kurz nachdenken — und kurz drauf war ein Telefonat verabredet.

Das Gespräch hat keine zehn Minuten gedauert. Wir waren sofort ein Team. Die Chemie passte, die Erwartungen waren klar, der Termin steht. Roth 2026 — ich starte. Nicht solo, sondern auf dem Rad in einer Staffel. Genau die Disziplin, die in meiner persönlichen Vorbereitung am meisten gelitten hat, übernehme ich für ein Team, dem das Tor zur Langdistanz wichtig ist.

Die größere Linie: 2025 Läufer, 2026 Radfahrer, 2027 komplett

Wer meine letzten Beiträge mitgelesen hat, weiß: Roth ist für mich kein Wettkampf wie jeder andere. Letztes Jahr — 2025 — bin ich in Roth bereits in der Staffel mitgegangen, damals als Läufer. Jetzt 2026 die Radstrecke. Und 2027 dann das, was eigentlich das langfristige Ziel ist: komplett. Solo. 3,8 + 180 + 42,2. Wenn dann die Themen, die heute den Kopf belegen, geklärt sind, sind auch die Voraussetzungen da, eine vernünftige Solo-Vorbereitung durchzuziehen — und nicht gegen sich selbst zu trainieren.

Bonus: 2027 wird mein 50. Lebensjahr. Eine Solo-Langdistanz zum runden Geburtstag hätte einen Charme, den keine Vernunftsentscheidung relativieren kann.

Was die Staffel-Rolle für meine Vorbereitung bedeutet

Die 180 km in Roth sind kein Spaziergang, auch nicht für eine Staffel. Mein Trainingsfokus verlagert sich jetzt: Lauf-Form halten (die wird ohnehin gebraucht, und die Wettkämpfe der nächsten Wochen sprechen für sich), aber Schwerpunkt klar auf das Rad. Lange Einheiten, Wettkampf-Pace, Pacing-Strategie auf dem Profil der Roth-Strecke. Das ist eine Aufgabe, die ich mit voller Energie angehen kann — weil ich genau weiß, was ich abrufen muss, und das Schwimmtraining nicht parallel reinquetschen muss.

Vernunft als Stärke, nicht als Rückzug

Wenn ich ehrlich bin: Die ersten Tage nach dem inneren „Nein“ zu Solo-Roth fühlten sich nicht großartig an. Aufgeben fühlt sich nie großartig an. Aber je länger ich mit der Entscheidung sitze, desto mehr merke ich: Es ist keine Niederlage. Es ist ein Plan, der zur aktuellen Lebensphase passt. Und nebenbei: Das Team aus Kiel hat einen, der seinen Job auf dem Rad ernst nimmt.

Roth 2026 — ich bin dabei. Auf dem Rad. Für ein Team. Mit dem klaren Bild im Kopf, dass 2027 dann die ganze Distanz unter eigener Startnummer dran ist.

Bis dann!

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