Sonntag, 03. Mai. Einen Tag nach dem Frühjahrslauf in Neuburg, einen Tag, an dem viele Sportler sich auf die Couch zurückziehen. Bei mir steht stattdessen eine Dienstreise im Kalender — und mit ihr eine sehr willkommene Alternative zum Erholungsschlaf: anderthalb Stunden locker um Landsberg am Lech. Anderes Profil, andere Landschaft, andere Trainingsphilosophie. Genau das, was die müden Beine vom Vortag jetzt brauchen.
Warum auf Dienstreise nicht auf der Couch bleiben
Es gibt zwei Wege, eine Auswärtsreise sportlich anzugehen: Auf Pause schalten und sagen „diese Woche zählt das Hotelzimmer.“ Oder das Glück nutzen, an einem Ort zu trainieren, an dem man sonst nicht trainieren würde, und die Strecke zur Trainingseinheit machen. Ich bin Anhänger der zweiten Schule. Vor allem im Mai, vor allem eine Woche vor dem nächsten Wettkampf, und vor allem nach einem Renntag, der noch in den Beinen sitzt.

Der Lauf hatte einen klaren Zweck: aktive Regeneration. Kein Pace-Druck, kein Intervall, kein Tempolauf — sondern lange genug auf den Beinen, um die Durchblutung zu fördern und die kleinen muskulären Reste vom Frühjahrslauf gezielt rauszuspülen.
Landsberg als Trainingsrevier
Landsberg am Lech ist eine dieser Städte, die man auf einer Dienstreise erst mal kaum erschließt — Hotelzimmer, Meetingraum, Restaurant, und das Stadtbild bleibt eine vage Erinnerung. Mit Laufschuhen verändert sich das. Die Altstadt mit dem Schmalzturm, der Lech als roter Faden, die Rad- und Wanderwege flussauf und flussab — perfektes Terrain für einen entspannten Sonntag-Nachmittagslauf, der nicht weh tut.
Was die Garmin-Daten zeigen
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Distanz | 14,52 km |
| Zeit | rund 1:23 h |
| Ø Pace | 5:43 min/km |
| Ø HF | im niedrigen 130er-Bereich |
| Spanne | 5:10 – 6:20 min/km |
Genau das Profil eines Lockerlaufs: keine Drama-Splits, kein Endspurt, keine HIT-Hochpunkte. Statt scharfer Wechsel ein langes, ruhiges Plätschern. Die HF bleibt im aeroben Bereich, die Pace driftet leicht nach hinten — und das ist okay, weil es nicht die Aufgabe war, sie zu halten.
Im ersten Kilometer noch 5:51 min/km bei HF 123 — vorsichtiges Anrollen, der Körper darf entscheiden. Mittelteil locker bei 5:15 bis 5:30, gegen Ende mit den Beinen reden und sie ausschütteln lassen. Genau so soll ein Regenerationslauf nach einem Renntag aussehen.
Warum 1,5 Stunden und nicht 45 Minuten
Das ist eine bewusste Entscheidung gewesen. Kürzere Regenerationsläufe sind super, wenn am nächsten Tag wieder geknallt wird. Aber zwischen Frühjahrslauf und Halbmarathon liegen sieben Tage, und ein längerer, sehr lockerer Lauf trainiert gleichzeitig die Grundlagen-Ausdauer, ohne das System zu beanspruchen. Das ist die Schicht, die man bei einem Halbmarathon-Profil bei km 15 spürt — oder eben vermisst.









Was Landsberg sportlich gibt
Was den Lauf besonders gemacht hat: Der Streckenverlauf um die Stadt herum gibt ein bisschen mehr Hügelprofil als die Donau-Ebene in Neuburg oder Ingolstadt. Keine Berge, aber nette Wellen, die die Beine an den Wechsel zwischen Push und Lösen erinnern. Genau das, was im Halbmarathon hilft, wenn die Strecke nicht so flach ist wie versprochen.
Was als Nächstes ansteht
- Eine kurze Trainingswoche zur Stabilisierung der Form
- Samstag, 09. Mai: Halbmarathon Ingolstadt — der echte Formmesser, Zielzeit-Korridor 1:30 bis 1:35
- Sonntag, 10. Mai: Wings for Life Run München — die Doppelbelastung, freiwillig gewählt
Eine Dienstreise mit Lauf statt ohne Lauf macht in Summe so einen großen Unterschied, dass ich mir den Trainingsumfang ohne diese Gelegenheiten gar nicht mehr vorstellen kann. Wer das Glück hat, in einer schönen Stadt zu übernachten, sollte sie auch mit Laufschuhen sehen.
Bis dann!
