Manchmal beginnt ein Wettkampf schon Kilometer vorher – auf der Autobahn. Mein Bericht vom diesjährigen Donaudammlauf, einer Veranstaltung vom ASC Tria Ingolstadt direkt am Donaudamm, ist gleichzeitig eine Geschichte über Hitze, Herzfrequenz und die Frage, was ein Garmin-Datensatz über einen Lauf verrät, bei dem gefühlt alles schief gelaufen ist. Und doch: Am Ende stand Platz 17. Nicht schlecht für einen Tag, der eigentlich gar nicht so hätte laufen sollen.
Die Anfahrt: Wenn der erste Wettkampf die A9 ist
Ich kenne die Strecke nach Ingolstadt. Wirklich. Und trotzdem habe ich die Autobahnabfahrt verpasst. Ja, genau – bei einem Lauf, der buchstäblich in der Stadt stattfindet, in der ich wohne. Was folgte, war eine entspannte Fahrt auf der Autobahn mit einem wachsenden Blick auf die Uhr und dem stillen Wunsch, dass der Veranstalter ein bisschen Kulanz mit Nachzüglern hat.

Ergebnis: 10 Minuten vor dem Start kam ich an der Bezirkssportanlage Nord-Ost an.
Kein gezieltes Einlaufen. Kein ruhiges Aufwärmen. Kein ruhiges Anstecken der Startnummer. Stattdessen: Sprint vom Auto zur Anmeldung, Startnummer im Laufen angeheftet, nochmal kurz Luft holen – und ab in den Startblock. Die Uhr startete ich erst am Start — die 10,09 km des Garmin entsprechen also exakt der offiziell auf 10 km vermessenen Strecke, mit minimalem GPS-Rauschen obendrauf.

Die Strecke: Flach, schnell – und an diesem Tag heiß
Der Donaudammlauf ist technisch unkompliziert: flache 10-km-Strecke auf befestigten Radwegen und asphaltierter Straße. Keine Höhenmeter, keine Überraschungen im Terrain. Eigentlich eine Strecke, auf der man einfach Pace machen kann.
Was an diesem Aprilsamstag die Rechnung durchkreuzte: die Hitze. Für Ende April waren die Temperaturen ungewöhnlich hoch, und auf einem asphaltierten, schattenarmen Damm wird das sehr schnell sehr spürbar.
Die Garmin-Daten: Eine ehrliche Geschichte in Kilometern
Meine Uhr hat nicht gelogen, auch wenn ich es ihr gerne erlaubt hätte. Hier die Kilometer-Splits mit der vollen Wahrheit:
| Km | Pace | Ø HF |
|---|---|---|
| 1 | 4:01 min/km | 149 bpm |
| 2 | 4:19 min/km | 161 bpm |
| 3 | 4:22 min/km | 163 bpm |
| 4 | 4:42 min/km | 162 bpm |
| 5 | 4:31 min/km | 164 bpm |
| 6 | 4:54 min/km | 164 bpm |
| 7 | 4:33 min/km | 164 bpm |
| 8 | 4:46 min/km | 164 bpm |
| 9 | 4:46 min/km | 163 bpm |
| 10 | 4:30 min/km | 166 bpm |
| Endspurt | 3:37 min/km | 169 bpm |
Gesamtstatistik (Garmin):
- 📏 Distanz: 10,09 km (exakt vermessene 10-km-Strecke + minimales GPS-Rauschen)
- ⏱️ Zeit: 45:38
- ⚡ Ø Pace: 4:31 min/km
- 💓 Ø Herzfrequenz: 162 bpm
- 💓 Max Herzfrequenz: 171 bpm
- 🔥 Kalorien: 875 kcal
Was die Daten erzählen
Kilometer 1 – das taktische Vorpreschen: Mit 4:01 min/km raus — aber nicht aus Versehen. Wer die ganze Strecke TikTok-Videos dreht und die anderen Läufer von vorne filmen will, muss zuerst mal vor ihnen sein. Mission accomplished. Die Herzfrequenz schoss dabei von Null auf 166 bpm, und der Preis dafür kam wie erwartet in den Folgekilometern. Es war also weniger ein Pace-Fehler als ein bewusstes Opfer für den Content. Das Garmin weiß das nicht. Ich schon.
Kilometer 1–10 – Filmen und Laufen gleichzeitig: Die TikTok-Sequenzen entstanden die gesamte Strecke über — was sich im Datensatz an ein, zwei kleinen Pace-Dips zeigt und sich physiologisch im frühen Herzfrequenz-Anstieg bemerkbar macht. Wer beim Laufen filmt, atmet anders, hält die Arme anders, und läuft mit halbem Kopf woanders. Für die Performance kein Vorteil — für den Vereins-Feed aber definitiv.
Kilometer 3–6 – Hitzewelle trifft unvorbereiteten Körper: Ab Kilometer 3 ist der Abfall deutlich sichtbar. Die Herzfrequenz blieb konstant bei 162–164 bpm, aber die Pace rutschte trotzdem ab – das klassische Zeichen thermischer Belastung. Das Herz arbeitet härter, aber die Muskeln bekommen weniger. Kilometer 6 war mein persönlicher Tiefpunkt des Tages: 4:54 min/km. Auf einer flachen Strecke. Ich bin mir sicher, dass auch die Hitze in diesem Moment sehr entscheidend.
Kilometer 7–10 – Rückkampf: Die zweite Streckenhälfte zeigt etwas, das ich als mein bestes Ergebnis des Tages betrachte: Ich habe mich nicht aufgegeben. Die Pace stabilisierte sich wieder, die Herzfrequenz blieb beherrschbar, und beim letzten Stück ließ ich es mit 3:37 min/km nochmal krachen. Der Körper hatte also doch noch etwas in der Reserve.
Platz 17 – und der echte Gesamtkontext
Angesichts der Umstände — kein gezieltes Warm-up, volle Aprilhitze, Anfahrtsstress, und die ganze Strecke über nebenbei als Ein-Mann-Filmcrew unterwegs — nehme ich Platz 17 sehr gerne mit. Es ist kein Siegertreppchen, aber es ist ein ehrliches Ergebnis von einem Tag, an dem eigentlich alles gegen eine gute Performance sprach.
Das ist manchmal der bessere Test als ein perfekt geplanter Wettkampf: Wie reagiert der Körper, wenn nichts nach Plan läuft? Die Antwort war: 162 bpm Durchschnitt, eine zweite Hälfte die hält, und ein Schlussspurt der noch funktioniert. Das reicht mir.
Nächste Woche: Heimspiel im Englischen Garten
Keine große Verschnaufpause — schon am Samstag, 02. Mai 2026 steht der nächste Laufcup-Termin an: der 41. Neuburger Frühjahrswaldlauf, und diesmal bin ich wirklich zuhause. Die TSV-Sportanlage im Englischen Garten, Flachslandenstr. 25 — Neuburg. Mein Verein, meine Strecke, meine Stadt.
7,8 km durch den Wald, kein Asphalt, kein Damm. Nach dem Hitzebad vom Donaudammlauf darf es gerne etwas schattiger sein. Das Feld wird stark sein — viele Läufer nutzen den Frühjahrswaldlauf als Formcheck eine Woche vor dem Halbmarathon Ingolstadt. Diesmal fahre ich die richtige Abfahrt.
Bevor es so weit ist, steht aber erst noch Dienstag auf dem Programm: 2×(10×1 min.) HIT. Zwanzig Intervalle. Keine Gnade. Wer nach einem Rennen denkt, die Woche wird ruhig — der kennt meinen Trainingsplan nicht.
Ausblick: Roth 2026 oder 2027?
Der große Langzeitplan steht noch unter Vorbehalt. Ob ich in diesem Jahr bei der Challenge Roth starte, entscheide ich erst nach dem Halbmarathon — der wird als ehrlicher Formtest zählen. Aktuell, in einem spürbaren Formtief, tendiere ich zu einer Verschiebung auf 2027 — mein 50. Lebensjahr. Ein Ironman zum runden Geburtstag hätte durchaus seinen Reiz.
Mal schauen, was der Halbmarathon sagt. Die Antworten kommen von selbst — Kilometer für Kilometer.
Rennbericht zum Frühjahrswaldlauf folgt nächste Woche. Bis dann!
