Manche Wettkämpfe plant man ein Jahr im Voraus. Diesen hier habe ich angemeldet, weil ich zufällig in die Stadt gezogen bin.

Fürstenfeldbruck, Anfang Juli. Neustart westlich von München, und die Amper direkt vor der Haustür. Direkt zum Start, der Hardy Halbmarathon — flache Auenwege, Schatten unter alten Bäumen, entlang der Amper.

Dann sah ich, dass am Sonntag ein Halbmarathon stattfindet. Hardys Halbmarathon. Vier Runden, flach.

Im Trainingsplan stand für diesen Tag ein langer Lauf über 22 Kilometer. Ein Halbmarathon ersetzt den ziemlich gut — gleiche Distanz, echte Zeitmessung, Startnummer statt Selbstdisziplin. Also angemeldet.

Die Vorgeschichte: 177 Kilometer Roth

Was ich beim Anmelden nicht ausreichend bedacht hatte: Sieben Tage zuvor war Challenge Roth gewesen.

Ich bin dort als Staffel-Radfahrer die 177 Kilometer gefahren — sechseinhalb Stunden im Sattel — und am Abend noch die letzten zehn Kilometer neben unserer Läuferin hergelaufen, die kurz vorm Aufgeben war. Eine Woche später standen dieselben Oberschenkel an der Startlinie eines Halbmarathons.

Dazwischen lag eine Intervalleinheit über 5 × 1.000 Meter, die sich angefühlt hatte wie Laufen durch Sirup. Die Herzfrequenz war dabei völlig in Ordnung — die Beine nicht.

Die Vorzeichen waren also bekannt.

Sonntag: 30 Grad und Schwüle

Was ich nicht eingeplant hatte, war das Wetter.

Dreißig Grad. Und schwül — diese drückende, feuchte Luft, in der Schweiß nicht mehr verdunstet, sondern einfach am Körper stehen bleibt. Genau die Bedingungen, unter denen der Körper einen Großteil seiner Leistung nicht mehr in Vortrieb steckt, sondern in Kühlung.

Die Strecke selbst ist schön: Start im Norden der Stadt, dann hinunter durch Fürstenfeldbruck, an der AmperOase vorbei, entlang des Flusses, und in weitem Bogen um das Kloster Fürstenfeld herum — jene barocke Anlage, die dem Ort seinen Namen gegeben hat. Im Süden geht es als Schleife an der Amper hinaus und wieder zurück.

Flach, wie versprochen. Kein Höhenmeter, an dem man sich abarbeiten könnte — aber eben auch kein Wald, der über längere Strecken Schatten spendet.

Und vier Mal dieselbe Runde. Bei so einem Format weiß man nach der ersten Schleife ziemlich genau, was einen erwartet. Und man weiß es dann noch drei Mal. Beim zweiten Vorbeilaufen am Kloster ist es Kulisse. Beim vierten ist es eine Zeitangabe.

Das Rennen in Zahlen

AbschnittØ PaceØ Herzfrequenz
Km 1–54:22/km151 bpm
Km 6–104:38/km157 bpm
Km 11–205:00/km154 bpm

Gesamt: 20,8 km in 1:39:06 · Ø 4:45/km · Max Herzfrequenz 162

Erste Hälfte: 45:00 Minuten. Zweite Hälfte: 54:06 Minuten.

Neun Minuten Unterschied. Das sieht nach einem klassischen Einbruch aus — und teilweise war es das auch. Aber die interessante Zahl steht in der rechten Spalte.

Die Herzfrequenz erzählt eine andere Geschichte

Während die Pace von 4:38 auf 5:00 pro Kilometer abfiel, ist meine Herzfrequenz nicht gestiegen. Sie ist gesunken. Von durchschnittlich 157 auf 154 Schläge.

Das ist wichtig, weil es normalerweise andersherum läuft. Bei Hitze steigt die Herzfrequenz mit fortschreitender Belastung an — der Körper pumpt mehr Blut in die Haut, um zu kühlen, das Herzzeitvolumen muss steigen, um dieselbe Muskelarbeit zu ermöglichen. Das nennt sich kardialer Drift, und er ist bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit praktisch unvermeidlich.

Meiner ging nach unten.

Dazu kommt der Maximalwert: 162 Schläge. Mein gemessenes Maximum liegt bei 177. Das heißt: Fünfzehn Schläge blieben unangetastet. In einem Rennen. Über 21 Kilometer.

Zusammengesetzt ergibt das ein eindeutiges Bild. Das Herz-Kreislauf-System war zu keinem Zeitpunkt am Limit. Die Muskulatur war es — nach 177 Kilometern Rad sieben Tage zuvor, bei 30 Grad und Schwüle.

Warum das eine gute Nachricht ist

Es gibt zwei Arten, in der zweiten Hälfte eines Rennens langsamer zu werden.

Die eine: Die Herzfrequenz klettert, die Atmung wird flacher, man kämpft um jeden Schlag. Das ist ein aerobes Limit — der Motor ist zu klein für das Tempo.

Die andere: Die Herzfrequenz bleibt gleich oder fällt, die Beine machen zu. Das ist ein muskuläres oder thermisches Limit — der Motor hätte gekonnt, die Übertragung nicht.

Ich hatte den zweiten Fall. Und der ist trainierbar.

Dieselbe Signatur hatte ich schon beim Laufsplit der Mitteldistanz in Ingolstadt: Erste Hälfte 148 Schläge, zweite Hälfte 144. Negativer Drift nach 86 Kilometern Rad. Damals war es eine Überraschung. Inzwischen ist es ein Muster.

Die aerobe Basis steht. Was fehlt, ist die Fähigkeit, sie über die volle Distanz auch abzurufen.

Was Fürstenfeldbruck bleibt

Der Halbmarathon war nicht schnell. 1:39 auf flacher Strecke ist deutlich unter dem, was in besseren Umständen möglich wäre — aber die Umstände waren, was sie waren.

Was bleibt, ist etwas anderes: Ich habe in dieser Woche ein Laufrevier entdeckt, das ich jetzt regelmässig nutzen werde. Die Amper zieht sich durch die ganze Stadt, und die Wege an ihren Ufern sind flach, über weite Strecken beschattet und autofrei. Wer aus Fürstenfeldbruck heraus Richtung Grafrath läuft, kann elf Kilometer am Stück machen, ohne eine Straße zu queren.

Und das Kloster Fürstenfeld ist eine Kulisse, an der man sich nicht sattläuft — auch nicht beim vierten Mal. Und zwei tolle Biergärten gibt es da auch.

Manchmal ist der Wettkampf nicht das Wichtigste, was man von einem Ort mitnimmt.

Der Blick nach vorn

Am 11. Oktober läuft der München Marathon, und das Ziel heißt Sub-3:00. Das sind 4:15 pro Kilometer über die volle Distanz.

An diesem Sonntag in Fürstenfeldbruck lief ich die ersten fünf Kilometer bei 4:22 — und war danach nicht in der Lage, das Tempo zu halten. Aber die Herzfrequenz dabei lag bei 151. Das sind 26 Schläge unter meinem Maximum.

Der Motor ist da. Jetzt geht es um die Übertragung.

Ergebnis: Hardys Halbmarathon, Fürstenfeldbruck, 12. Juli 2026 | 20,8 km in 1:39:06 | Ø 4:45/km
Bedingungen: 30 °C, hohe Luftfeuchtigkeit
Strecke: vier Runden, flach — durch die Stadt, an der AmperOase vorbei, um das Kloster Fürstenfeld, Amper-Schleife im Süden
Sieben Tage zuvor: Challenge Roth, 177 km Staffel-Rad
Verein: TSV 1862 Neuburg

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